Spielmann


Fahrende Unterhaltungskünstler

Neben Narren verdingten sich auch die Spielleute meist als Fahrende ihren Lebensunterhalt. Vor allem durch Musik- und Theaterimprovisation auf Festen und Märkten in Städten und Dörfern sowie auch bei Hofe. Aber auch fragwürdiger Handel und Prostitution, Diebstahl und Betrug gehörte zu ihren angebotenen  "Dienstleistungen" und zu ihrer Überlebensstrategie. Daher auch der Zwiespalt zwischen Anerkennung und Verfolgung. Einerseits wurden sie vom Volk freudig erwartet und hofiert, andererseits galten sie als rechtlose Vagabunden, denen nicht zu trauen war.

In erster Linie wurden die Fahrenden durch den Klerus verunglimpft, standen sie doch nach deren Meinung als gottlose Kreaturen mit dem Teufel im Bunde. Eine gefährliche Mischung aus Anerkennung und Ablehnung, mit dem überstarken Reiz des Verbotenen.

 

Ihr vermeintlich freiheitliches Leben abseits aller gesellschaftlichen Konventionen, brachte ihnen seitens der Normalbürger sowohl Neid als auch tief sitzendes Misstrauen. Als ein Klassiker dieser missachtenden und verunglimpfenden Lebensphilosophie galt ein gegen Ende des 15. Jhdts.  erschienenes Buch: Das "Narrenschiff" von Sebastian Brant, ein absoluter Bestseller. Darin wurde in Text und Bild (Holzstiche, vermutlich vom jungen Albrecht Dürer erarbeitet) alle Unsitten der Fahrenden geschildert, vor den Folgen wurde eindringlich gewarnt. Das "Narrenschiff" wurde schnell zum meistgelesenen Bilderbuch der damaligen Gesellschaft. Eine taktische Meisterleistung von Brant und Dürer, konnten doch die meisten Normalbürger nicht lesen. Aber die Bilder visualisierten eindrucksvoll und leicht verständlich das Schlechte und Diabolische. Selbstverständlich wurde diese Art von Literatur vom Klerus mit Wohlwollen betrachtet und sogar forciert.


Lebendige Musik

Die Musikdarbietungen wurden meist mittels Gesang, Flöten aller Art, Sack- und Rauschpfeifen sowie mittels Trommeln, Schlagwerk und unerschiedlichen Saiteninstrumenten aufgeführt.

In erster Linie ging es um Aufmerksamkeit und Stimmung. Dabei entwickelten sich absolute Meister ihres Fachs. Das Wissen und Können wurde generationsweise unter den Fahrenden weitergegeben.

 

Diese Art der Aufführungen darf aber nicht mit dem eher standesgeprägten, auf tugendhafte Ritterlichkeit und edle Lieblichkeit abgestimmten Minnegesang verglichen werden. Diese Form der künstlerischen Unterhaltung war eher von Feinsinn geprägt und dem gehobenen Stand zuzuordnen.

 

Die Darbietungen der fahrenden Spielleute müssen wohl eher von derbem Charakter geprägt gewesen sein. Wilde Tanzmusik sowie Trink-, Sauf- und Liebeslieder zielten stets auf breite Wirkung bei den einfachen Menschen ab. Als Lohn forderten sie dafür freie Kost und Logis, Geld und Sachwerte ein.